Motivation und Erwartungen

Nachdem ich bereits seit September auf der Suche nach einem passenden Praktikumsplatz war, konnte ich schließlich einen Platz bei der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg eG finden und mein Praktikum im Januar antreten.

Meine Motivation bestand zunächst darin, einen verlässlichen Praktikumsplatz zu finden, um mein studienbegleitendes Pflichtpraktikum erfolgreich absolvieren zu können. Gleichzeitig reizte mich die Möglichkeit, Einblicke in die Arbeitswelt eines größeren Unternehmens zu gewinnen. Nach meinem vorherigen Praktikum in einem kleineren Betrieb wollte ich herausfinden, ob mir die Arbeit in einem Konzernumfeld liegt, wie dort Entscheidungsprozesse ablaufen und ob mir die Strukturen und Abläufe einer größeren Organisation zusagen.

Mit dem Beginn des Praktikums war auch ein Umzug verbunden, da sich das tägliche Pendeln von Stendal nach Braunschweig aufgrund eingeschränkter Bahnverbindungen als unpraktisch erwiesen hätte. Glücklicherweise konnte ich während dieser Zeit bei einem guten Freund unterkommen, was mir den Einstieg in die neue Umgebung erleichtert hat.

Meine Erwartungen an das Praktikum waren zu Beginn eher neutral. Da meine Mutter ebenfalls in demselben Unternehmen tätig ist, hatte ich im Vorfeld bereits einige Eindrücke aus erster Hand erhalten – sowohl positive als auch weniger positive. Dennoch war ich offen und neugierig, da ich in einer anderen Abteilung eingesetzt wurde und somit eigene Erfahrungen sammeln konnte. Die ersten zwei Wochen verbrachte ich im Bereich Inhouse Consulting, der als internes Projektmanagement der Bank fungiert. Hier erwartete ich spannende Einblicke in die bankweiten Projekte, Schnittstellen und Kommunikationsprozesse. Die anschließenden sechs Wochen war ich im Controlling tätig – einem Bereich, der mich bereits aus dem Studium heraus besonders interessiert. Entsprechend war ich gespannt darauf zu erleben, wie Controlling in einem großen Finanzinstitut mit zahlreichen Abteilungen, Prozessen und Konten umgesetzt wird und welche Herausforderungen sich dabei ergeben.

Bewerbung und Organisation

Bereits ab September begann ich aktiv mit der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz. Mein Fokus lag dabei zunächst auf Stendal und Magdeburg, da diese Städte für mich am einfachsten zu erreichen gewesen wären. Besonders Magdeburg erschien mir aufgrund des größeren Unternehmensangebotes attraktiv. Trotz zahlreicher Bewerbungen, insgesamt über zwanzig, erhielt ich ausschließlich Absagen, meist mit dem Hinweis auf begrenzte Kapazitäten oder bereits vergebene Plätze.

Schließlich ergab sich durch persönliche Kontakte die Möglichkeit, ein Praktikum bei der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg eG zu absolvieren. Für diese Gelegenheit war ich sehr dankbar, da ich ohne diese Option wahrscheinlich keinen Praktikumsplatz mehr rechtzeitig gefunden hätte. Der Bewerbungsprozess verlief in meinem Fall recht unkompliziert: Anstelle eines klassischen Vorstellungsgesprächs fand lediglich ein kurzes Telefonat statt, in dem die organisatorischen Details besprochen wurden.

Eine größere Herausforderung stellte die Organisation des Arbeitswegs dar. Da die Zugverbindungen zwischen Stendal und Braunschweig aufgrund von Bauarbeiten in Wolfsburg stark eingeschränkt waren, war tägliches Pendeln kaum realisierbar. Daher entschied ich mich, während der Praktikumszeit unter der Woche nach Braunschweig zu ziehen und dort bei einem Freund zu wohnen, während ich an den Wochenenden nach Stendal zurückkehrte.

Rückblickend kann ich Kommilitoninnen und Kommilitonen empfehlen, mit der Praktikumssuche lieber zu früh als zu spät zu beginnen und sich nicht ausschließlich auf mündliche Zusagen oder positive Rückmeldungen zu verlassen. Selbst wenn eine Rückmeldung zunächst vielversprechend klingt, kann sich die Lage kurzfristig ändern. Es lohnt sich daher, parallel mehrere Optionen offen zu halten und kontinuierlich Eigeninitiative zu zeigen.

Berufsbild

Mein Praktikum bei der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg eG gliederte sich in zwei Phasen: Die ersten zwei Wochen verbrachte ich im Inhouse Consulting, das als internes Projektmanagement der Bank fungiert, während die anschließenden sechs Wochen dem Bereich Controlling zugeordnet waren. Beide Abteilungen gehörten organisatorisch zum Bankenbereich des Unternehmensverbunds, der innerhalb des BraWo-Konzerns eine Vielzahl von Tochtergesellschaften umfasst.

Im Inhouse Consulting nahm ich zunächst eine hospitierende Rolle ein, um die internen Strukturen und Abläufe kennenzulernen. Ich begleitete verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit, nahm an Besprechungen teil und konnte insbesondere meiner Führungskraft bei unterschiedlichen Projekten über die Schulter schauen. Zu meinen Aufgaben gehörte unter anderem die Unterstützung bei der Vorbereitung von Präsentationen für den Vorstand, das Erstellen von Arbeitsanweisungen sowie das Mitwirken bei der Planung und Dokumentation laufender Projekte. Diese Zeit diente vor allem dazu, ein Verständnis für das interne Projektmanagement, die Kommunikation zwischen den Abteilungen und die übergeordneten Steuerungsprozesse innerhalb der Bank zu entwickeln.

Der anschließende Einsatz im Controlling bot mir deutlich mehr Eigenverantwortung. Zwar gab es zu Beginn kleinere Startschwierigkeiten, da meine betreuende Führungskraft krankheitsbedingt ausfiel, doch im weiteren Verlauf konnte ich zunehmend selbstständig arbeiten. Im Mittelpunkt stand ein eigenes Projekt, das sich mit der Konzeption und Umsetzung eines vereinfachten Budgetierungsprozesses befasste. Ziel war es, eine Datei beziehungsweise ein Tool zu entwickeln, das die Budgetplanung innerhalb der Bank effizienter gestaltet. Dabei konnte ich meine im Studium und aus früheren Praktika erworbenen Kenntnisse im Bereich Excel gezielt einsetzen.

Ein typischer Arbeitstag begann für mich meist zwischen 7:20 und 7:30 Uhr, sodass ich am Nachmittag entsprechend früher Feierabend hatte. Die Arbeitszeiten variierten jedoch je nach Projektsituation und Wochentag – insbesondere Dienstags und Donnerstags dauerten die Arbeitstage häufig länger. Während ich im Inhouse Consulting stark in das Tagesgeschäft der Abteilung eingebunden war und wechselnde Aufgabenfelder übernahm, bestand der Controlling-Teil überwiegend aus eigenständigem Arbeiten an meinem Projekt in Abstimmung mit meinem Betreuer. Diese Kombination aus Mitlaufen, Beobachten und eigenem Arbeiten ermöglichte mir einen guten Einblick in unterschiedliche Arbeitsweisen und Verantwortungsbereiche innerhalb der Bank.

Unternehmenskultur

Sowohl im Inhouse Consulting als auch im Controlling herrschte eine angenehme, respektvolle und zugleich offene Atmosphäre. Der Umgang im Team war locker und kollegial - man begrüßte und verabschiedete sich stets freundlich, häufig mit einem kurzen Austausch zwischen Tür und Angel. Besonders im Inhouse Consulting, wo das Team nur aus etwa acht bis neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestand, war das Miteinander ausgesprochen familiär. Im Controlling-Bereich, in dem zusätzlich Kolleginnen und Kollegen aus dem Risiko- und Finanzcontrolling arbeiteten, war das Umfeld etwas größer, dennoch kannte man sich untereinander, und der tägliche Umgang war von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.

Einen festen Dresscode gab es nicht. Grundsätzlich legten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wert auf ein gepflegtes, ordentliches Erscheinungsbild. Im Inhouse Consulting, das hierarchisch näher an der Vorstandsebene angesiedelt war, fiel das äußere Auftreten etwas formeller aus, während im Controlling eine eher lockere Kleiderordnung üblich war.

Besonders positiv aufgefallen ist mir das moderne Arbeitsumfeld. Die Volksbank BraWo verfügt über mehrere Business Center am Braunschweiger Hauptbahnhof, in denen auch meine beiden Einsatzabteilungen untergebracht waren. Während meiner Zeit im Inhouse Consulting arbeitete ich im 14. Stock des Business Center 2, später im 13. Stock des Business Center 1. Die Räumlichkeiten waren modern, offen gestaltet und boten viele gemeinsame Arbeitsbereiche sowie kreative Zonen. Durch die Lage in den oberen Etagen hatte man zudem einen beeindruckenden Ausblick über die Stadt.

Trotz der Größe des Unternehmens war die Zusammenarbeit überwiegend von flachen Hierarchien geprägt. Natürlich existieren formale Strukturen mit klaren Zuständigkeiten, insbesondere unterhalb der Vorstandsebene , doch im Alltag wirkte die Kommunikation offen und direkt. Im Inhouse Consulting war der Teamzusammenhalt besonders stark ausgeprägt, während das Controlling-Team insgesamt etwas sachorientierter arbeitete.

Hinsichtlich der Fehler- und Lernkultur nahm ich eine insgesamt positive Haltung wahr. Fehler wurden offen angesprochen und lösungsorientiert behandelt, ohne dass Schuldzuweisungen im Vordergrund standen. Diese offene Kommunikation und die Bereitschaft, gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten, haben wesentlich zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre beigetragen.

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Reflexion

Vor Beginn meines Praktikums war ich insgesamt eher neutral eingestellt. Konkrete Erwartungen hatte ich zunächst nicht, allerdings war ich gespannt darauf, wie die Arbeit in einem größeren Konzernumfeld tatsächlich aussieht. Rückblickend hat sich dieser Eindruck insofern bestätigt, als dass die Bank zwar über viele Mitarbeitende und eine komplexe Organisationsstruktur verfügt, die einzelnen Abteilungen jedoch überraschend klein und überschaubar waren. Dadurch wirkte das Unternehmen im Arbeitsalltag weniger anonym, als ich es im Vorfeld vermutet hatte.

Während meines Praktikums habe ich sowohl Erfolge als auch Herausforderungen erlebt. Besonders im Controlling stellte mich das eigene Projekt vor eine größere Herausforderung, zugleich war es aber auch einer meiner größten Erfolge. Da ich dort in vielen Phasen weitgehend eigenständig arbeiten musste, war ich gefordert, mich selbst zu strukturieren und Aufgaben eigenverantwortlich zu bearbeiten. Gerade zu Beginn fühlte sich diese Situation ein wenig wie „kaltes Wasser“ an, da ich nicht direkt in bestehende Abläufe eingearbeitet wurde. Im weiteren Verlauf konnte ich jedoch sehr viel lernen, insbesondere im Umgang mit Excel, bei der Lösung fachlicher Probleme sowie in der Kommunikation und im aktiven Nachfragen. Auch der Umgang mit Kritik und Rückmeldungen half mir dabei, lösungsorientierter zu arbeiten und neugieriger an Aufgaben heranzugehen.

Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir das Projekt selbst, da es mir nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel gebracht hat. Weniger gut war aus meiner Sicht die teilweise unklare Kommunikation zu Beginn des Controlling-Einsatzes. Während im Inhouse Consulting von Anfang an eine klare Struktur vorhanden war und meine Einsätze sowie Besprechungen gut geplant wurden, verlief der Start im Controlling zunächst etwas chaotischer und weniger verbindlich. Das erschwerte den Einstieg, hatte aber keinen negativen Einfluss auf meinen weiteren Lernerfolg.

Meine Erfahrung mit der Arbeit in einem Konzern ist durch das Praktikum deutlich positiver ausgefallen, als ich es zuvor erwartet hatte. Im Bankenkontext empfand ich die Arbeit als interessant und insgesamt gut zugänglich. Besonders die Mischung aus fachlicher Tiefe, Teamarbeit und eigenständigem Arbeiten hat mir gefallen.

Leben

Auch Braunschweig als Stadt habe ich sehr positiv erlebt. Die Stadt bot mir nicht nur gute Möglichkeiten für den Alltag, sondern auch für Freizeit und Sport. Ich konnte mich dort schnell einleben und habe mich insgesamt wohlgefühlt. Besonders gefallen haben mir die grünen Bereiche, der BraWo-Park, der Campus der TU Braunschweig sowie die Parks rund um die Innenstadt und in Richtung Stadion.

Fotostrecke Leben

Hätte ich das gewusst!

Rückblickend würde ich mich nach meinen Erfahrungen erneut für dieses Praktikum entscheiden. Es war eine sinnvolle und bereichernde Erfahrung, auch wenn sie mit Herausforderungen verbunden war. Für zukünftige Praktikantinnen und Praktikanten eignet sich diese Stelle besonders dann, wenn sie Interesse daran haben, ein größeres Unternehmen kennenzulernen und sich ein realistisches Bild von Konzernarbeit im Bankenbereich zu machen.

Für die Zeit der Praktikumssuche würde ich meinem jüngeren Ich raten, früher zu beginnen, hartnäckiger zu bleiben und sich nicht zu sehr auf unverbindliche Rückmeldungen oder Zusagen zu verlassen. Kontinuierliche Eigeninitiative ist in diesem Prozess besonders wichtig.